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kreieren Ikonen & Illusionen, machen Märkte und Preise!

Gambero Rosso, Veronelli, Duemilavini, Luca Maroni, Wine Spectator, Robert Parker und, und, und...

Dem subjektiven Erleben wird ein objektives Mitspracherecht eingeräumt

Vom Irrglauben an Weinpäpste
Wie kaum ein anderes 'Objekt' sind Seh-, Geruchs- und Geschmackssinn, sind Auge, Zunge und Nase, Körper und Geist beim Weintrinken gefordert. Der Genuss von Wein unterscheidet sich in seiner Fülle wesentlich von anderen visuellen oder akustischen Empfindungen, die sich im Allgemeinen präziser fassen, beschreiben oder vergleichen lassen. An diese uns bekannte Erfahrungswelt der im Allgemeinen besser fassbaren Eindrücke knüpfen die Weintester an. Sie versuchen uns glauben zu machen, daß das analog zu den anderen uns bekannten Erfahrungen sichtbar zu machen sei, wie auf einer geeichten Skala eines Voltmeters. Das Weintrinken dagegen ist unwiederbringlich und einmalig, ein in hohem Maße situationsbezogenes, komplexes Gemisch aus visuellen Geruchs- und Geschmackseindrücken, die eine 'objektive' Beurteilung im strengen Sinn fast unmöglich machen. Jüngere Erkenntnisse aus der medizinischen und neurobiologischen Forschung belegen diese Argmentation übrigens zusätzlich.

Naives Punktesystem
Der Markt der 'Weintester' ist fast unüberschaubar geworden. Winzer und Weinhändler schmücken ihre Weine - mehr denn je - mit ellenlangen und subjektiven Bewertungen, selbst Discounter bemühen inzwischen das naive Punktesytem. Die Folge: Pseudowissenschaft, Naivität und Dummheit haben inzwischen Konsequenzen, auch für unseren Weinalltag.

Alles was messbar war, wurde gemessen und was nicht gemessen werden konnte, wurde messbar gemacht.

Komplexitätsreduktion?
Die Weinwelt ist so komplex wie vielseitig. In ihr 'tummeln' sich Freaks, Handwerker, Idealisten, Individualisten, Bauern, Genies, Winzer, Künstler, Techniker, Murkser, Könner, Genossenschaften, Konzerne, Aktiengesellschaften, Klein-, Mittel- und Großindustrien und, und, und… Ja, gerade deshalb sind doch die Weinführer eine unerlässliche Orientierung, oder? Eins ist sicher, das ist keine leichte Aufgabe in einer subjektiven Welt.

Verkostungsgremien
Man hat wiederholt mehrere verschiedene Verkostungsgruppen mit der gleichen Aufgabe betraut, die immer gleiche Auswahl an Weinen zu bewerten. Erwartungsgemäß kamen nicht nur alle Gremien, sondern auch alle Einzelverkoster zu völlig unterschiedlichen und oft völlig gegenläufigen Ergebnissen. Das einzige gemeinsame war, dass am Ende alle Verkostungsgruppen ein Ergebnis ablieferten. Diese Gruppen-Endergebisse divergierten dann genauso stark, wie die Einzel-Bewertungen in jeder Einzelgruppe, ein nur zu erwartendes Ergebnis.

Über die statischtische Hintertür
Hier wird über die berühmte Hintertür von Statistik und Mathematik, dem subjektiven Erleben ein objektives Mitspracherecht eingeräumt. Die Ergebnisse geben sich einem wissenschaftlichen Anschein, sie entstammen jedoch der Pseudowissenschaft. Diese Pseudoergebnisse jedoch "definieren" immer mehr die Bedingungen des persönlichen und gesellschaftlichen Anschauungsfeldes in Sachen Wein. Innerhalb dieser implizit vorgegebenen Grenzen hat sich die Welt des Weines zu bilden - und an diese Grenzen haben sich die Weinerzeuger wie Weingenießer zu halten, zumindest dann, wenn sie 'punkten' wollen.

Die neurotische Welt des Weins

Stuart Pigott gibt in seinem Buch "Schöne neue Weinwelt", erschienen im Argon Verlag, Berlin, einen kurzen, aber sehr zutreffenden Fokus auf das Thema, wie man heute erfolgreich Wein verkauft:

... , hatte [Frau] Imparato eine Probe [von ihrem Wein] an den amerikanischen Weinkritiker Robert Parker geschickt, dessen Empfehlungen größeren Einfluß auf den Weinmarkt haben als alle anderen. Er bewertete den Wein mit 96 von 100 Punkten und schwärmte in den höchsten Tönen. Seit der Veröffentlichung dieser Besprechung ist Montevetrano permanent ausverkauft. Es muß jedoch hinzugefügt werden, daß die drei Gläser, die Höchstbewertung, mit denen der italienische Gambero Rosso die Jahrgänge 1993, 95, 96 97, 98 und 99 bedachte, ebenfalls bedeutende Auswirkungen auf die Nachfrage in Italien und in den deutschsprachigen Ländern haben.

Das ist so, wie wenn wir nach unserem verlorenen Schlüssel unter der Laterne suchen würden, weil es dort am hellsten ist.

Wie orientiert sich der Weinliebhaber?
Unzählige Journale und Bücher mit Weintests versuchen ein recht komplexes Thema in den Griff zu bekommen. Dies geschieht über ein mehr oder weniger anschauliches Punkte-Bewertungssystem, oder mit der handlichen Bewertung durch Trauben, Gläser oder Sterne. Der geneigte Leser geht davon aus, dass es sich womöglich um eine möglichst objektive Bewertung des Verlages, bzw. der Redaktion handelt.

Das Einfachste ist immer das Schwierigste
Am Anfang stand die Idee, daß man auf einer linearen Skala von bis zu 100 Punkten, eine Weinbewertung vornehmen könnte. Auf Details zur Bewertung können wir verzichten, denn die sind nicht wirklich wichtig [siehe unten]
. Die Weinverkostung- und Bewertung auf der 100-Punkte-Skala beherrschte in der Tat ein Weinschmecker ziemlich gut, Dr. Eckhard Supp. [Monatshefte EnotriaNews um 1995 - Titel vergriffen - und Enzyklopädie des Italienischen Weins, erschienen 1995 - Titel vergriffen - ].

Wer ist Dr. Supp?
Ein behutsamer Mann, denn seine Bewertung für einen guten Wein erreichte auf der Skala so die 80 Punkte, manchmal 85 oder 86, aber selten wirklich 90 und mehr. Er setzte sich also ein Punkte-Limit deutlich unter 100, was auf Besonnenheit und Umsicht hinweist. Ihm ging es nicht darum, die verbliebenen 10 Punkte von 90-100 zu tabuisieren, sondern sehr bedacht mit der Wertung "Traumwein" umzugehen, er bewahrte so auch die mathematische Linearität. Wirklich gute Weine sind rar und mancher Wein entwickelt sich erst noch richtig im Keller des Weinliebhabers, da ist der Wein schon lange nicht mehr im Handel erhältlich.

Parkers Exzentrität: Der Niedergang der 100-Punkte-Skala
Die 100 Punkte-Skala wurde durch Parkers Exzentrität entwertet, auch im mathematischen Sinne. Er hat zur Inflation der "90-100 Punkte-Traumweine" beigetragen und fegte auch das hinweg, was im Ansatz seriös war. Wo ist das Problem? Die Distanzlosigkeit der Parker-Punkte, sie ergibt sich allein schon durch seinen unlinearen Ansatz [Stauchung]. Alle halbwegs gut gelungenen Weine drängen sich auf der Zielgeraden der "Traumweine" von 90-100 Punkten. Die Skala hält mit 80-90 Punkten hinreichend Platz für gute Weine bereit, aber das ist eben weniger spektakulär.

Robert Parker: Weinpapst auf der Anklagebank
Von Tilman Müller und Jörg Zipprick
Hat er Weine befreundeter Großhändler besonders freundlich bewertet? Robert Parker gilt als bekanntester Weinkritiker, dessen Urteil den Preis einer Flasche vervielfachen kann. Doch nun wirft seine ehemalige Mitarbeiterin Hanna Agostini ihm Schlamperei und Vetternwirtschaft vor.

mehr hier...

Hier die aktuellen Listen der Super-Wine-Guides:

Gambero Rosso "Tre bicchieri" 2006-2007-2008-2009
Veronelli 3-Sterne Weine 2006-2007-2008-2009
Duemilavini - I cinque grappoli 2006-2007-2008-2009
Vini Buoni d'Italia 2006-2007-2008-2009

 
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