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Sie geben ihre Urteile ab, ohne jemals selbst beurteilt zu werden!
Die Mechanisierung des Denkens
Durch die Entwertung der 100 Punkte-Skala durch Parker wurden allerdings die Auszeichnungen in Gläsern, Flaschen, Sternen oder sonst wie, auch nicht besser. Man kann jeden Wein ganz leicht in eine irgendwie geartete Skala zwängen, das ist nicht das Problem. Vielmehr ist das Problem, daß zahlreiche Weinliebhaber an diese subjektiven Charts glauben, an die Mechaniserung des Denkens, weil sie insgeheim auf irgend einen Erfahrungsvorsprung bauen. Diese Illusion wird schon dadurch genährt, weil die Verlage machtvoll durch das Megaphon der Presse sprechen.
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Bei Weinprämierungen denke ich immer wieder an Misswahlen. Die attraktivsten und intelligentesten Mädchen bleiben zu Hause.
Quelle: Michael Broadbent, Grandseigneuer der Weinjournalisten
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Wie absurd das Ganze doch ist!
Froh endlich entdeckt zu sein, ist für viele Winzer eine Sache mit gemischten Gefühlen. Aldo Bruzo, Winzer aus dem Veneto: "Mit meinem Spitzenjahrgang 1997 kam ich nicht in die Listen, aber mit den mageren Jahren 1996/1999 - wie absurd das Ganze doch ist!" Eine scheinbar perverse Situation, es kommt jedoch relativ häufig vor. Das ist eben so. Nur, wenn jemand die Zusammenhänge kennt, dann wird's augenfällig.
So sah Eckhard Supp die 100-Punkte-Skala [1995]
Verkostungsergebnisse sind nur bedingt objektivierbar. Ich versuche kritische aber gerechte Maßstäbe anzulegen, und dieser Linie in allen Weintests treu zu bleiben.
90-100 Punkte: Traumweine
80 - 89 Punkte: Große Weine. Die besten Vertreter ihrer Kategorie. Tiefe, Komplexität und Harmonie sind ihre Merkmale.
70 - 79 Punkte: Weine die sich durch Typizität, Harmonie und ein gewisses Maß an Komplexität über den Durchschnitt erheben und evtl. eine gewisse Entwicklungsfähigkeit besitzen.
60 - 69 Punkte: Gute Weine, mit einem Minimum von organoleptischen Reizen und allenfalls kleinen Fehlern.
50 - 59 Punkte: Anonyme und / oder leicht fehlerhafte Weine, die noch trinkbar sind.
00 - 50 Punkte: Weine mit gravierenden Fehlern
Auswertung der fünf Super-Weinführer: Übereinstimmung bei nur 1,4%
Die Auswertung aller Bewertungen der fünf führenden italienischen Guides ergab, daß sich die Weinführer lediglich bei 7 von 488 Weingütern einig waren, also jeder Führer mindestens einen Wein je Weingut als exzellent bewertete. Die Übereinstimmungsrate lag also nur bei 1,4%. Das ist der interessanteste Aspekt, der die Ungleichheit und somit die Subjektivität der Bewertungen der einzelnen Verkoster widerspiegelt. Die Schwierigkeit für die Verbraucher bleibt, sich im Dickicht von nahezu 1000 als exzellent bewerteten Weinen zu orientieren. Wobei man denen sicherlich nochmals 1000 exzellent unbekannte Weine zur Seite stellen könnte. Letzteres wäre ja eigentlich die Aufgabe des engagierten Wein- und Import-Fachhandels, der müßte sich aber von Bequemlichkeiten verabschieden.
Die Auflagenstärke der Weinguides und der Testweine
Die großen Weinführer werden für ein internationales Publikum verlegt, wenden sich also an eine breite und weltweit verteilte Leserschaft, die diese Weine dann auch kaufen möchten, egal ob in Tokio oder Los Angeles. Hier konkurrieren unweigerlich die Auflagenstärken der Guides mit der Anzahl produzierten Weinflaschen. Was nützen gut bewertete Weine, wenn man sie nicht wenigstens italien-, europa- oder gar weltweit kaufen kann? Erscheinen dann die neuen Tests, so setzt die internationale Nachfrage ein, jetzt beginnt das Spiel erst richtig.
Der Marktführer
Der "Gambero Rosso" erfreut sich unangefochtener Beliebtheit. Kein anderer Weinführer kann ihm den Wein reichen. Drei Gläser, die Höchstwertung dieses Führers, wirken sich segensreich aus auf den Marktwert aus, ähnlich wie die Michelin-Sterne. Die Vorlieben des "Gambero Rosso" sind seit Jahren bekannt, es ist der Holzausbau und es sind die Regionen Piemont und Toskana, allein Antinori konnte die meisten Auszeichnungen für sich verbuchen. Das sind aber auch die Regionen mit den höchsten Preissteigerungen in den letzten Jahren. Da wird es auch nichts helfen wenn Daniele Cernelli, der Herausgeber des "Gambero Rosso", die bedenkenlose Hochpreispolitik von Winzern der bisher so gepriesenen Regionen anprangert und die Wettbewerber aus dem Süden Italiens lobt. Gute Winzer gab es schon immer im Süden, man mußte sich nur die Mühe machen und sie aufsuchen, wenn es halt nur nicht so weit wäre?
Die "besten" Bewertungskriterien
Luca Maroni, der in Italien wenig und international fast keine Bedeutung hat, legt die besten Bewertungskriterien vor. Er gehört zwar zum Markt der Super-Wein-Guides, aber von der Auflagenstärke her spielt er keine Rolle und hat somit wenig Einfluß am Markt. Schon deswegen nicht, weil er die Testergebnisse nicht einfach in Gläsern oder Sternen ausdrückt, sondern diese dreiteilig gliedert: Konsistenz + Ausgeglichenheit + Integrität, min. 10 bis max. 33 Punkte aus jeder Fraktion, ergeben max. 99 Punkte in der Addition. Als einziger Tester bilanziert er den Wein und integriert damit zwangsläufig den Begriff von Qualität. Er erklärt also dem Weinliebhaber, wie seine Einschätzung zu diesem oder jenem Wein überhaupt zustande kam, das gefällt dem Weinfreak und überzeugt auch den Profi. Luca Maroni hat auch eine Vorliebe, das sind die Fruchtweine (Vino-Frutto), Weine mit ausgeprägtem Fruchtaroma. Diese Weine können auch im Holz ausgebaut sein, jedoch steht hier die Frucht und nicht das Holz im Mittelpunkt, ganz im Gegensatz zum Gambero Rosso. Luca Maronis Berwertungskriterien sind für den bewundernswert, der empirisch an die Dinge herangeht. Nicht wenige lehnen seine Lösung vehement ab. Der Weg ist richtig, sein Ergebnis ist - wie bei anderen auch - subjektiv.
Nochmals Luca Maroni
Als einzige Weinguide führt Luca Maroni sehr genau die betrieblichen Daten eines jeden Winzers/Weinhauses auf. Er gibt Aufschluß darüber, ob wirklich Weinberge vorhanden sind, wenn ja, in welchem Umfang. Die angegebene Produktion und Flaschenzahlen lassen [nur bei LM] Rückschlüsse auf die Hektarerträge zu. In seinem Buch "I Migliori Vini Italiani", erfährt man hinreichend viel über die Produktuionsschritte eines jeden Weins, das sollte zumindest Fachhändler interessieren!?
Wie wird man dem internationalen Geschmack gerecht?
Kann es sich ein Verlag leisten, auf die bekannten internationalen Geschmacksvorlieben keine Rücksicht zu nehmen? Wohl eher weniger. Wie die Einflußnahme des bekannten US-Weintesters zeigt, richten die Produzenten ihre Produktion auf diese propagierte Geschmacksrichtung ein. Nicht weil dieser Tester Zehntausende von Flaschen selbst für sich benötigt, nein, er bewegt durch seine Meinung Hunderttausende, ja Millionen von Flaschen an Wein.
Es wird keine Haftung für eine bestimmte Wertentwicklung oder Verluste übernommen!
So lautet der Haftungsauschluß bei den bekannten Börsenbriefen. Welche Verantwortung übernimmt ein Weinführer für die von ihm propagierten Weine? Keine! Obwohl es schon vorkam, daß Weine mit eindeutigem Böckser oder mit Acetobacter (Essigbakterien) als exzellent nominiert wurden, darüber schweigt man höflich! Auch schweigt man peinlich berührt, daß immer wieder einige Weine nominiert werden, die im besagten Jahr nicht produziert wurden.
Winzer und Händler folgen den marktmachenden Guides
Sie richten die Produktion, ihre Märkte, die Geschmacksrichtungen, die Technik, ihre Investitionen, ihr eingesetztes Wissen und Kapital immer mehr nach den marktmachenden Klassifizierungen der Guides aus.
Macht doch nichts?
Die Weinführer geben bestimmte Trends vor, sie entsprechen im wesentlichen dem Mainstream, darin liegt die Gefahr. Das bedeutet, daß Weine ein immer uniformeres und internationaleres Geschmacksprofil bekommen, der leichten und schnellen Vermarktbarkeit wegen. Solche Weine können überall auf der Welt kostengünstiger erzeugt werden als in Europa.
Reduzierte Winzer und Händler
Die Funktion der Händler sich am Markt bestens auszukennen, selbst Weine und Winzer zu entdecken und aufzubauen, erfährt eine deutliche Reduzierung. Inzwischen sind nur wenige Importeure und Händler direkt und unabhängig aktiv, also die, die nicht von den Meinungsmachern und den Weinführern "inspiriert" sind. Winzer und Händler reduzieren ihre Kunden immer mehr auf banale Nachfrager, auf das was die Guides vorgeben. Schöne neue Welt!?
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Ruhm, Summe aller Mißverständnisse, die sich um einen Namen sammeln.
Quelle: Rainer Maria Rilke 1875-1926
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Hier die aktuellen Listen der Super-Wine-Guides:
Gambero Rosso "Tre bicchieri 2005"
Veronelli 3-Sterne Weine 2005
Duemilavini - I cinque grappoli 2005
Vini Buoni d'Italia 2005
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